Was Dich als Künstler die Zukunft der Galerien angeht

Vor einer Stunde bekam ich wieder einmal den Beweis dafür, dass das Leben immer für mich ist, wenn ich den ersten Schritt unternehme...

Ich bin im Urlaub. Zu Hause hatte ich gedacht: „Wie geil! Ich kann von überall arbeiten. Ich setze mich einfach an meinen Laptop und schreibe einen Blog-Beitrag, während ich auf die Ostsee schaue und mich erhole.“

Fehlanzeige! Ich sitze hier, entspanne und glotze auf die Ostsee. Es herrscht die vollkommene Leere in meinem Kopf.

"Was für´n Luxus-Problem", wendest Du ein. Und Du hast total Recht damit!

Blöd nur, wenn Du einen Blog-Beitrag schreiben willst. Die einzige Idee, die ich in diesem Moment habe, ist die: Ruf Deinen Freund Daniel an!

Du musst nämlich wissen, Daniel und ich führen die allerherrlichsten Streitgespräche, die bei mir oft direkt in eine neue Idee münden.

Und so ist es auch diesmal. Wir telefonieren fast eine halbe Stunde lang. Dann weiß ich, worüber ich schreiben werde. Im Moment, als ich zu tippen beginne, schickt mir mein Ehemann von seinem Strandspaziergang auch noch genau das passende Titelfoto dazu…

Danke liebes Universum!

Der Künstler & seine Stammtisch-Politik-Lösungen

Mein Freund Daniel ist gerade gemeinsam mit anderen Kollegen dabei, Ausstellungen für ein alljährlich stattfindendes Kunstfestival in Berlin-Schöneweide aufzubauen.

Wie jedes Jahr ist viel Zeit, Energie und Herzblut in die Vorbereitung geflossen und es beschäftigt die Kollegen der Gedanke, ob genügend viele Menschen das Festival besuchen werden. Werden die Kollegen genug Umsätze generieren können, damit sich der ganze Aufwand für sie gelohnt hat?

In der Unterhaltung darüber kommen wir irgendwie auf die Frage, ob es die großen Galerien sind, die die Galerien-Szene der kleineren und mittleren nach und nach zerstören.

Daniel war überzeugt davon, dass die großen Galerien dafür verantwortlich sind, dass der elitäre Eindruck, den Kunst bei den meisten hinterlässt, dafür sorgt, dass sich immer weniger Menschen mit Kunst identifizieren können und sich demnach insgesamt immer weniger dafür interessieren. In Folge dessen müssten immer mehr Galerien schließen.

Ich weiß, dass viele unserer Kollegen dieser Meinung sind und ich behaupte, dass zum Teil auch die Galeristen genauso denken. Noch vor einiger Zeit habe ich dasselbe geglaubt. Inzwischen habe ich mich intensiv genug mit Marketing, Verkauf und den Strukturen des Kunstmarktes beschäftigt, dass ich heute anderer Ansicht bin.

Warum immer mehr Menschen Kunst lieben

Statistisch gesehen interessieren sich Jahr für Jahr immer mehr Menschen für Kunst. Das liegt zum einen daran, dass die Rekordsummen, die bei Auktionen erzielt werden, immer mehr in den öffentlichen Fokus rücken.

Zum anderen bedeutet Kunst für viele Menschen Lebensqualität. Es macht ihnen Spaß, sich mit schönen Dingen zu umgeben. Sie besuchen gern Ausstellungen und Kunstmessen. Weltweit wächst der Wohlstand. Kunst bekommt einen höheren Stellenwert für die Menschen.

Das hört sich doch wunderbar an, oder? Warum sterben trotzdem so viele kleine und mittlere Galerien? Das ist doch ein Widerspruch?

Warum Galerien wirklich sterben

Wenn eine Galerie schließen muss, dann liegt das daran, dass sie unwirtschaftlich gearbeitet hat. Vielleicht hat die Galerie in guten Zeiten zu wenig Rücklagen gebildet, hat zu große und zu teure Räumlichkeiten unterhalten. Hatte einen nicht ausreichend kommunikativen Steuerberater oder hat ihm nicht richtig zugehört.

Vielleicht hatte sich die Galerie lange Zeit im Erfolg gesonnt und hörte den Schuss nicht, als es galt, neue Konzepte zu entwickeln, auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln… Ich könnte noch zig andere Szenarien entwerfen.

Alle könnten passen und alle haben eins gemeinsam: Wenn ein Unternehmen stirbt, liegt die Ursache immer im Unternehmen selbst. Nicht an den Mitbewerbern aus anderen Segmenten. Nicht an der Politik, dem Staat, dem Wetter oder anderen äußeren Umständen.

Wenn Du denkst, die großen Galerien sind die Ursache des Übels, hier ein Gedanke für Dich: Meinst Du, dass der Porsche-Händler einem Volkswagen-Händler die Kunden stiehlt?

Mein Freund Daniel und ich suchten gemeinsam nach Gründen für die oftmals trüben Aussichten in der Galerien-Szene.

Daniel hatte eine Idee: „Vielleicht ist es ja auch so“, meinte er, „dass viele Galerien sich gebärden wie die Großen. Sie möchten gern im Fahrwasser der Großen mit schwimmen, rufen viel zu überzogene Preise auf und ignorieren dabei das Publikum, dass gern im mittleren Preissegment kaufen würde. Diese Galerien sterben aus purer Überheblichkeit.“

Da könnte etwas dran sein, oder?

Ich habe schon oft erlebt, dass ich bei Besuchen in Galerien in Berlin ignoriert wurde, sobald mich der „Scanner“ als Nicht-Groß-Kunde eingeordnet hatte. Überrascht war ich, als ich später in einem Artikel des Kunstmarkt-Experten Magnus Resch las, dass offenbar sogar ein Großteil der Sammler von dieser „Verkaufskultur“ in Galerien betroffen ist.

Resch ärgerte sich zum Beispiel so sehr über die Praxis vieler Galerien, keine Preise zu verraten, dass er eine App entwickelte, mit der sich jeder Besucher auf einer Kunstmesse mit dem Handy den Preis der Werke anzeigen lassen kann.

Wenn Dich dieses ganze Thema interessiert, so habe ich eine Buchempfehlung für Dich:

„Management von Kunstgalerien“ von Magnus Resch. In diesem Buch analysiert der promovierte Betriebswirt das Innenleben von Galerien. Sehr spannende Lektüre, finde ich!

 

Was Dich das Management von Kunstgalerien angeht

Und wenn Du jetzt denkst: „Ich bin aber Künstler, Barbara. Was geht mich das Management von Kunstgalerien an“, dann antworte ich: „Eine Menge! Galerien sind Deine wichtigsten Kooperations-Partner. Deine Verbündeten. Umso mehr Du weißt, desto besser für Dich.

Magnus Resch steht dem Gebaren des Kunstmarktes durchaus kritisch gegenüber. Das Buch enthält viele Gedanken, über die Du einmal nachdenken kannst.

Das digitale Zeitalter – Da gehe ich nicht hin

Viele Galerien haben zu lange das digitale Zeitalter ignoriert. Haben nicht schnell genug reagiert und zum Beispiel Social-Media-Plattformen schlau für ihr Marketing genutzt. Haben gedacht: „Kunst kann man nicht im Internet verkaufen. Der Kunstmarkt ist ein Offline-Markt.“ Das dachten auch einige von den großen Galerien.

Aber die Wahrheit ist: Wir haben alle keine Wahl. Das digitale Zeitalter ist längst da. Es fragt uns nicht, ob wir es mögen oder nicht.

 „Ich bin ja Künstler. Ich habe auf keinen Fall etwas mit Digitalisierung zu tun“, könntest Du einwerfen.

Wenn Du so denkst, liegst Du genauso falsch, wie alle anderen, die das glauben.

Ja, wir können gern den Kopf in den Sand stecken und so tun, als träfe und das alles nicht. Dann verschwinden wir als „Unternehmen Künstler“ entweder mit einem lauten Knall oder sang- und klanglos. Oder wir kommen gar nicht erst dazu, den Kopf aus dem Sand zu nehmen.

Meine 3+1 wichtigsten Tipps für Dich:

  1. Sei Dir darüber bewusst, dass auch Dich als Künstler der Erfolg von Galerien etwas angeht.
  2. Suche die Gründe für missliche Umstände oder Scheitern nicht bei anderen.
  3. Du kannst die Dinge mal anders betrachten, indem Du andere Dinge betrachtest…

... und wenn das digitale Zeitalter an Deine Tür klopft, mach ihm auf und heiße es willkommen!

Ich wünsche Dir den maximalen Erfolg auf Deinem Weg, denn:

Die Welt braucht genau Dich und Deine Kunst!

Deine Barbara

 

P.S. Bitte schreibe mir Deine Fragen, Anregungen und Meinungen in den Kommentar.

Vielleicht möchtest Du auch Deine eigenen Erfahrungen zum Thema mit mir teilen. Ich freue mich und bin gespannt.

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