5 Dinge, die Du tun kannst, wenn Du mal so richtig durchhängst

Gefürchtete Null-Bock-auf-gar-nichts-Phasen

Kennst Du das Gefühl, wenn Du plötzlich erschrocken feststellst, dass Du Null Bock auf gar nichts hast? Von heute auf morgen? Von jetzt auf gleich?

Ein absolutes Scheißgefühl, oder?

Früher, als ich noch in Jobs arbeitete, die ich per se nicht mochte, war dieses Gefühl ein Dauerzustand. Ich lebte damit. Ich musste mich immer quälen. Außer im Urlaub. Dann war ich krank oder wurde es, sobald sich der Urlaub dem Ende neigte.

Richtig schlimm wurde es jedoch, als ich dieses Gefühl zum ersten Mal hatte, während ich schon als Künstler arbeitete. Ich bekam Panik. Sollte es das etwa gewesen sein? Ich war doch so glücklich gewesen. Wie kam das nur, dass ich nicht mehr arbeiten wollte?

Ich begann, mich zu beobachten und zu fragen, was der Grund sein könnte, wenn mir plötzlich meine liebsten Tätigkeiten keinen Spaß mehr machten und ich mich nicht einmal mehr zur Malerei aufraffen konnte.

Dann stellte ich fest, dass diese Null-Bock-Phasen jedes Mal am Ende eines Projektes oder unmittelbar nach einer Ausstellungseröffnung auftraten. Während der Arbeitsphasen hatte ich mich komplett verausgabt. Immer, wenn ich hätte jubeln und feiern sollen, fiel ich stattdessen in ein Loch und ich brauchte zum Teil Monate, bis ich aus diesem Loch wieder herauskam. Erfolge fühlten sich nicht toll an, sondern ich fürchtete mich bereits kurz vorher vor dem Hangover. Meine Befürchtungen erfüllten sich jedes Mal.

Wie Dir das Planen von Pausen helfen kann

Dieses Muster nervte mit der Zeit und ich suchte zunächst nach Wegen, wenigstens diese tiefen Motivationslöcher zu verhindern. Es half mir, wenn ich zu Beginn eines Projektes oder in der Vorbereitung zu einer Ausstellung meine Zeit bewusst plante.

Zwischendurch legte ich Pausen ein oder machte bewusst während eines Projektes Urlaub. Ich begann zu akzeptieren, dass meine Ausdauer nicht nur bis zum Eröffnungstag einer Ausstellung, sondern bis zum Ende der Ausstellung reichen musste. Und dass auch meine Energie Grenzen hatte..

Das half. Irgendwann konnte ich meine Erfolge bewusst feiern und mir damit einen ersten Glückshormon-Stoß verpassen. Meinen Motor, der bis zum Tag X auf Hochtouren gelaufen war, fuhr ich gleichzeitig langsam herunter.

Eine Art zu feiern konnte darin bestehen, mehrere Wochen nach einer intensiven Phase bewusst nichts zu tun. Oder nur das, wonach mir spontan der Sinn stand.

Ich hatte erkannt, dass meine Batterien sich leerten und ich sie ganz einfach wieder auffüllen musste, damit ich wieder Freude an meiner Arbeit haben und konzentriert und voller Energie neue Projekte in Angriff nehmen konnte.

Am schwersten fiel mir anfangs, die Tatsache zu akzeptieren, dass ich erschöpft war und dass auch meine Kraft natürliche Grenzen hatte.

Keine Panik, wenn Du beginnst zu schwächeln

Vor ein paar Wochen war es wieder einmal soweit. Ich hatte es nicht kommen sehen. Unterschwellig registriert hatte ich, dass es mich von Tag zu Tag mehr Energie kostete, meinen PC einzuschalten und etwas Sinnvolles daran zustande zu bringen.

Meine To-Do-Listen wurden länger, ich arbeitete immer weniger davon ab. Umso mehr ich mich mühte, desto schlimmer wurde es.

Dann kam der Tag, an dem ich meinen nächsten Blogbeitrag schreiben wollte und ich vor dem leeren Bildschirm saß. Ich registrierte: Mein Kopf ist genauso leer. Kein einziger Gedanke wollte mehr fließen. War ich vielleicht leergeschrieben? Hatte ich nichts mehr zu sagen? War es das mit dem Schreiben? Die Fragen lösten erst einmal ein mulmiges Gefühl aus. Ein altbekanntes Gefühl.

Spätestens, als meine innere Bullshit-Stimme mir zuflüstern wollte, dass ich nichts auf die Kette bekomme und ein elender Loser bin, wurde ich hellhörig.

Ich blätterte in meinem Journal zwei Monate zurück und begann zu lesen, was ich dort alles aufgeschrieben hatte. Hatte ich das wirklich alles umgesetzt, was dort geschrieben stand? Viele kleine und große Resultate meiner Arbeit hatte ich inzwischen schon wieder total vergessen.

Nachdem ich alles einmal gelesen hatte, war mir klar: Kein Wunder, dass ich mich leer fühle! Ich brauchte dringend eine Pause! Ich war erschöpft und muss meinen Geist ausruhen. That´s it! Nicht mehr und nicht weniger.

Warum Dein Journal Dein bester Freund sein kann

Deshalb hier mein erster Tipp für Dich: Führe unbedingt ein Journal, indem Du alles dokumentierst, was Du erledigt hast. Ideen und Erkenntnisse, die Du gewinnen konntest. Schreibe alles auf, was Dir am Tag bedeutsam erschien.

Oft ist es so, dass Du bei zunehmender Erschöpfung mehr und mehr das Gefühl für Deinen Zustand verlierst. Mal ist es der körperliche Zustand, mal Dein mentaler oder gefühlsmäßiger Zustand. Das Fatale daran: Du bist zunächst der Meinung, dass alles ok ist. Dass alles super ist. Oder sein sollte.

Ab einem bestimmten Punkt verlierst Du Dich aus den Augen und aus dem Sinn. Ich bin überzeugt, dass wir Künstler besonders gefährdet sind für diesen Zustand, weil wir während unserer intensiven Arbeitsphasen vollkommen im Flow sind. Weil wir den Stress, die Anstrengung ignorieren. Weil wir uns selbst total vergessen und nur noch für die Kunst da sind. Mit ihr verschmelzen. Und dieser Zustand ist so schön wie er gefährlich ist.

Cool bleiben: Meine 5 Tipps für Dich

Dieses Mal bin ich cool geblieben. Darauf bin ich richtig stolz. Und ich will die Gelegenheit nutzen, mit Dir zu teilen, wie ich vorgegangen bin. Vielleicht hilft Dir meine Strategie, wenn Du in eine solche oder ähnliche Situation zu geraten drohst:

  1. Akzeptiere, dass Du erschöpft bist. Egal wieso und weshalb. Nimm die Situation und Deinen Zustand an. Hadere nicht mit Dir. Es ist vollkommen ok, dass Du leer bist. Wer nicht vorher extrem viel gearbeitet hat, erschöpft sich auch nicht.
  2. Stoppe die Arbeit. Sofort. Alle unerledigten Aufgaben bleiben einfach liegen. Erkenntnis: Die Welt dreht sich auch weiter, wenn Du mal ein oder zwei Wochen nicht arbeitest! Jeder ist ersetzbar. Du wirst sehen, es passiert gar nichts. Für alles gibt es eine Lösung. Deine Arbeit geht nicht weg. Sie wartet auf Dich.
  3. Erkenne, welche Teile von Dir, Körper, Geist oder Seele, besonders betroffen sind. Jeder Teil braucht etwas anderes: Der Körper braucht vielleicht Bewegung in der Natur. Vielleicht aber auch Ruhe. Ein Sonnenbad. Was auch immer Dir guttut.
  4. Bringe Deinen Geist zur Ruhe. Stoppe Deine inneren Bullshit-Stimmen, falls sie Dir zuflüstern wollen, Du Versager sollst Dich gefälligst zusammenreißen und Dich aufraffen. Bring sie gnadenlos zum Schweigen. Mir hilft es, einfach in den Tag hinein zu leben. Stundenlang in einem Straßencafé zu sitzen und den Passanten beim Flanieren zuzuschauen. Auf der Couch zu liegen und ein schönes Hörbuch zu hören. Mit geschlossenen Augen. Oder Meditieren. Oder Yoga. An nichts mehr denken müssen. Einfach nur da sein. Proaktives Nichtstun praktizieren.
  5. Vielleicht triffst Du Dich mit Menschen, die Dir richtig guttun und mit denen Du aufbauende Gespräche führen kannst. Du besuchst mal wieder ein Konzert oder eine Ausstellung oder gehst an Orte, die Dir Kraft spenden. Vielleicht gibt es einen See, an dem Du sitzen und stundenlang aufs Wasser starren kannst. Das lädt Deine Gefühlswelt positiv auf und bringt Deine kreativen Energien wieder in Schwung.

Der Notfall-Maßnahme-Plan

Ich habe mir in Zeiten, in denen ich gut drauf bin, eine Liste mit lauter Dingen angelegt, die ich nutzen kann, wenn ich down bin. Diese Liste führe ich laufend fort. Jedes Mal, wenn ich ein besonders aufbauendes Erlebnis hatte, trage ich dies in die Liste Warum?

Weil ich irgendwann festgestellt habe, dass mir, wenn ich positive Erlebnisse am dringendsten benötige, keine einfallen. Dann schaue ich auf meine Liste auf der letzten Seite meines Journals. Es beruhigt mich, dass ich meinem destruktiven Zustand nicht hilflos ausgeliefert bin. Dass ich kein Opfer bin.

Vor ein paar Wochen stellte ich schnell fest, dass meine Ernährungsgewohnheiten wieder ein wenig schlampig geworden waren. Das allein hatte mir Energie geraubt. Aber ich hatte auch viel zu wenig Pausen gemacht und hatte lieber gearbeitet, als mal wieder mit dem Rad eine Runde zu drehen. Alles andere war wichtiger geworden.

Mit einer Entgiftungswoche, einer kleinen Ernährungskorrektur, jeden Tag Yoga und dem Häkeln einer Babydecke für mein 5. Enkelkind, dass in ein paar Wochen das Licht der Welt erblicken wird, konnte ich meine Batterien innerhalb von 2 Wochen wieder voll aufladen. Jetzt freue ich mich auf alle Aufgaben, die in der kommenden Zeit anstehen.

Frisch gestärkt zurück an die Arbeit

Das Beste daran ist: Du vergeudest nicht erst Zeit und Energie für ein tiefes Loch, wenn Du die Zeichen rechtzeitig erkennst und sofort die richtigen Maßnahmen einleiten kannst.

Dann gehst Du freudig und gestärkt nach zwei oder drei Wochen wieder an Deine Arbeit. Und vielleicht hast Du sogar noch mehr Freude daran, als zuvor.

Und vergiss niemals:

Die Welt braucht genau Dich und Deine Kunst!

Deine Barbara

P.S. Bitte schreibe mir Deine Fragen, Anregungen und Meinungen in den Kommentar.

Vielleicht möchtest Du auch Deine eigenen Erfahrungen zum Thema mit mir teilen. Ich freue mich und bin gespannt.

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