Im Wein liegt die Wahrheit oder: Der Zielgruppen-Avatar

Gestern bekam ich Besuch von meinem lieben Freund und Künstler-Kollegen Daniel. Wir hatten uns schon lange nicht mehr getroffen. Was für ein Wiedersehen!

Unser Abend war lang, lustig und feuchtfröhlich. 2 Jahre waren wir Atelier-Nachbarn gewesen. Wir quatschten und feierten nicht nur viele Nächte gemeinsam durch. Nein. Unsere Freundschaft trug auch Früchte, auf die wir heute noch stolz sein dürfen. Während unserer gemeinsamen Zeit schafften wir 4 großformatige und zahlreiche kleine Werke in Gemeinschaftsarbeit.

Auch wenn wir inzwischen an unterschiedlichen Orten arbeiten und leben, haben wir uns nicht aus den Augen verloren und führen oft stundenlange Telefonate.

„Ja, gut, Barbara. Jetzt komm mal zum Punkt“, denkst Du jetzt vielleicht. „Es ist schließlich Sonntag!“

Also gut. Ich komme zum Punkt. Nach den ersten Gläsern von meinem Lieblings-Grauburgunder (siehe Gelage-Foto) entbrannte eine hitzige Debatte darüber, ob ein Maler einen Zielgruppen-Avatar für sich erstellen sollte oder nicht.

Warum ein Maler einen Zielgruppen-Avatar braucht

Daniel reagierte entrüstet auf meinen Vorschlag: „Ich möchte nicht meiner Malerei vorschreiben, wer sie betrachten darf und wer nicht“, warf er ein. „Ich möchte niemanden ausschließen!“

Seine Reaktion verstand ich gut. Ich hatte einige Jahre benötigt, bis ich die Grundsätze von Positionierung verstanden hatte. Und ich stelle immer wieder fest, dass selbst größere Unternehmen das Thema Zielgruppe falsch verstehen.

Was ist eine Zielgruppe

Aus dem Wort ergeben sich zwei Faktoren: Es geht um ein Ziel und um eine Gruppe von Menschen.

Das Ziel ist in unserem konkreten Fall die nächste Ausstellung meines Freundes Daniel, die Ende Juni eröffnen soll. Seit er von Berlin in einen kleinen 3.000 Seelen-Ort in Bayern umgezogen ist, ist seine größte Herausforderung, dass er sich in seiner neuen Heimat als Künstler etabliert.

Wir entwarfen vor einer Woche gemeinsam eine Einladungskarte.

Ich stellte ihm zur Personengruppe die folgenden Fragen:

  • An wen richtet sich Deine Ausstellung und Deine Werke?
  • Wie stellst Du Dir Deinen Wunsch-Ausstellungs-Besucher bzw. Deinen Wunsch-Sammler vor?
  • Kennst Du eine Person, die diesem Wunschbild entspricht? Das könnte Dein Zielgruppen-Avatar werden.

Daniel wirkte irritiert. „Wozu soll das gut sein? Woher soll ich wissen, wer meine Arbeit gut findet (und kauft)?“

Ich erklärte ihm, wofür die Festlegung einer Zielgruppe wichtig ist:

  • Wenn Du zum Beispiel eine Einladungskarte entwirfst, kannst Du sie so gestalten, dass sie möglichst genau die Aufmerksamkeit Deiner Zielgruppe und Deiner Wunsch-Sammler erregt.
  • Du kannst Dich fragen, wo sich Deine Zielgruppe gern und oft aufhält, wenn Du mit Plakatwerbung arbeiten möchtest.
  • Welche Social-Media-Kanäle frequentieren Deine Besucher?
  • Welche Presseerzeugnisse lesen Deine Sammler?

Das sind nur 4 von einer Reihe von weiteren Fragen, die Dir gezieltes Marketing leichter machen.

Was gezieltes Marketing ist 

Gezieltes Marketing heißt, Du kannst Dein Werbe-Budget selbst steuern. Du setzt gezielt Mittel und Möglichkeiten ein und erreichst besser Deine Traum-Besucher und -Sammler.

Daniel hatte sich Sorgen gemacht, dass er andere Menschen ausschließen würde. Das wollte er auf keinen Fall.

Ich konnte ihn beruhigen: Wenn Du durch die Art und Weise Deiner Marketing-Maßnahmen überwiegend die Menschen erreichst, mit denen Du Dich gern umgeben möchtest, dann heißt das ja nicht gleichzeitig, dass Du andere Menschen damit ausschließt. Und wenn, so schließen sich diese Personen selbst aus, indem sie sich nicht angesprochen fühlen.

Mal ehrlich:

Möchtest Du jeden Kunst-Sammler bedienen?

Dass Du Dir eine Sammlerschaft aufbaust bedeutet, dass immer wieder derselbe Kreis von Menschen Deine Kunstwerke kaufen wird.

Für Dich ein enormer Vorteil. Deine Sammler sind Deine „Bestandskunden“. Deine Sammler möchten regelmäßigen Kontakt mit Dir. Sie wollen von Dir gepflegt werden.

Das heißt: Du wirst immer wieder mit diesen Menschen in Kontakt sein dürfen. Optimalerweise solltest Du Dich jedes Mal auf diese Begegnungen freuen wie Bolle. Du solltest sie bei Euren Treffen inspirieren und vor Begeisterung sprühen.

Warum es gut ist, einen Zielgruppen-Avatar zu erstellen

„Ja, aber Barbara, wie mache ich denn das nun konkret?“

Tipp Nr. 1: Sammele über einen längeren Zeitraum Informationen über die Menschen, mit denen Du gern zu tun hast. Kreiere diese Person Stück für Stück. Bestimme Alter, Geschlecht, Beruf, Vorlieben, Intellekt, Freizeitverhalten. Trage so viele Informationen zusammen wie möglich.

Ich wiederhole noch einmal: Damit schließt Du niemanden aus!

Ein Beispiel: Wenn der Sammler Deiner schlaflosen Nächte zum Beispiel männlich ist und auf italienische Luxus-Autos steht, kannst Du mit einer knallroten Einladungskarte höchstwahrscheinlich dessen Aufmerksamkeit auf Deine Ausstellung lenken. Du setzt dieses Stilmittel bewusst ein. Nicht mehr und nicht weniger.

Natürlich solltest Du Dich bei solchen Maßnahmen nicht verbiegen. Es ist authentisch, wenn Du ebenfalls, genau wie Deine Zielgruppe, auf die Farbe Rot abfährst.

Es wird auf jeden Fall noch eine große Zahl anderer Menschen geben, die leuchtendes Rot bevorzugen. Die Aufmerksamkeit derer hast Du ebenfalls sicher.

Menschen, die Knallrot verabscheuen, werden von Deiner Einladung vielleicht abgeschreckt sein. Das ist ok, oder?

Tipp Nr. 2: Mach eine kurze Bestandsaufnahme bei Dir selbst: Worauf fährst DU besonders ab? Was gefällt DIR? Schau Dir Deine liebsten Einladungskarten noch einmal mit analytischem Blick an. Ein universelles Gesetz besagt, dass Du vor allem die Menschen anziehen wirst, die Dir ähnlich sind.

Tipp Nr. 3: Sammele ab heute Werbemittel, E-Mail-Texte, Marketing-Ideen etc. von Kollegen, die Dir besonders gut gefallen haben. Schau auch auf die, die Du nicht mochtest und frage Dich, was Dich daran gestört hat.

Mein lieber Freund Daniel ist nach unserem Abend gestern einen Schritt weiter.

Sein Avatar sollte auf jeden Fall gute Weine mögen. Warum also nicht auch einmal ein Flaschen-Etikett anstelle einer Einladungskarte für die nächste Ausstellung entwerfen? ;-)))

Ich wünsche Dir den maximalen Erfolg auf Deinem Weg, denn:

Die Welt braucht genau Dich und Deine Kunst!

Deine Barbara

 

P.S. Bitte schreibe mir Deine Fragen, Anregungen und Meinungen in den Kommentar.

Vielleicht möchtest Du auch Deine eigenen Erfahrungen zum Thema mit mir teilen. Ich freue mich und bin gespannt.

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